Nach einer langen Nacht mit nur wenigen Minuten Schlaf trafen JimmPantsu und meine Wenigkeit heute morgen um kurz nach 11 bei mir ein und nach etwas Augenpflege fühle ich mich mir oder weniger in der Lage, die ersten Eindrücke vom Wochenende in Worte zu fassen. Bevor ich mich noch etwas mehr über das Filmfest und Edinburgh auslasse, gibt’s nun erstmal einen Artikel zu “Disappearance” samt der Vorstellung im Kino.

Der Film wurde ja im Rahmen des Scotland Loves Anime Filmfestivals gezeigt und das Kino “Filmhouse” war für so eine Veranstaltung eigentlich wirklich sehr passend. Es gab sogar einen großen gastronomischen Bereich, in dem richtige Mahlzeiten essen konnte. Schon das Gebäude macht etwas mehr her als die Standardmultiplex-Architektur:

Innendrin fanden wir auch am 2. Tag die kleine Ausstellung der Haruhi-Zeichnungen:

Zwar waren das wirklich nicht viele Motive, aber mehr hatte ich auch nicht erwartet. Leider scheiterte ich wieder etwas bei den Fotos, aber teilweise kann man was erkennen^^:

Das Kino selbst war mit digitalen Projektoren und Mehrkanalton (Dolby Digital stand dran und Surround funktionierte) ausgestattet. der Haruhi-Film lag als einer der wenigen Filme allerdings auf 35mm vor und die Untertitel wurden wohl in den Filmstreifen eingebrannt. Die jap. Filmpiraterie-Meldung war sogar auch noch da^^.

Da wir schon fast eine Stunde vor Beginn des Films uns vor dem Saal platziert hatten (wir waren die ersten^^;), konnten wir uns auch wunderbar mittige Plätze aussuchen^^.

Der Film war seit Samstag ausverkauft und neben einigen Haruhi-T-Shirt-Trägern (wozu ich mich auch zählen durfte) haben wir auch 3 Cosplayerinnen entdeckt (ganz links sieht man eine Yuki).

Im Publikum sah ich dann auch zum ersten Mal die französische Haruhiisten-Delegation von haruhi.fr, mit denen wir nach dem Film auch so noch gesprochen hatten. Auf meine Frage, wie denn die Chancen für die 2009-Episoden in Frankreich stehen, meinte man Kazé hätte dort gesagt, dass es vielleicht im Dezember mehr zu berichten geben könnte….

So der bebilderte Teil ist vorbei, denn bei der Einleitung und während des Films habe ich mich dann doch nicht getraut^^;. Zunächst gab’s aber nen Werbeblock und einen Realfilm-Trailer und dann schloss sich der Vorhand wieder und der Festivaldirektor sprach ein paar Worte und der Autor Jonathan Clements übernahm und wurde noch etwas unterhaltsame Trivia zum Film los.

Und dann begannen die wahrscheinlich kürzesten 163 Minuten meiner Kinogehkarriere^^…

Ich weiß nicht, ob es wirklich etwas hilft, groß etwas zu Handlung zu schreiben, denn der Titel spricht ja schon den wichtigsten Punkt an: Haruhi verschwindet.

Wer gar nicht gespoilert werden möchte, kann ja diesen Absatz einfach überspringen, wobei ich auch nur den Anfang des Films erzählen werde. Kurz vor Weihnachten kommt Haruhi auf die Idee, eine Weihnachtsfeier mit den Mitgliedern der SOS-Brigade zu veranstalten. Auch wenn diese Veranstaltung sehr harmlos klingt, ist Kyon wieder wie immer leicht genervt und ärgert sich darüber, dass Haruhi seit Monaten sein Leben bestimmt. Doch dann geht er eines Tages zur Schule und plötzlich scheint es so zu sein, als wäre er Haruhi nie begegnet und die SOS-Brigade wurde nie gegründet…sogar Asakura ist wieder da…und was das ganze wohl am schlimmsten für Kyon macht: Er ist der einzige, dem diese plötzliche Änderung der Welt auffällt.

Das war’s nun erstmal mit der Handlung, die wunderbar langsam erzählt wird. Ich hörte ja schon vorher allerlei Kritiken, dass der Film einfach zu lang wäre, aber ich persönlich fand ich es sehr angenehm, dass der Film sich nicht beeilte, von Szene zu Szene zu hetzen, sondern gerne auf Details wert setzte, die den Szenen sehr viel mehr emotionale Kraft geben konnten. Wie schon in den 2009er-Episoden wird sehr viel mit Kameraperspektiven gespielt, die den Film weniger wie einen Anime aussehen lassen und mehr wie einen Realfilm. Z.B. wacht Kyon ab und zu auf und man sieht die Geschehnisse durch die Augenlider oder die Kamera zeigt den Raum aus der Vogelperspektive. Viele Szenen hätte man kürzer machen können, aber langweilig war keine einzige, denn die ganzen Details geben dem ganzen Geschehnissen eine zusätzliche Tiefe und im Gegensatz zu vielen anderen Anime-Filmen lässt man sich Zeit für eine vernünftige Charakterentwicklung.

Auch wenn die Geschichte doch relativ ernst ist, ist der Film aber auch unglaublich witzig zwischendurch mit allerlei Running Gags (Kyon’s kleine Schwester hat täglich ihren Auftritt^^) und dem üblichen Verhalten der Charaktere (Mikuru, Tsuruya-san, Itsuki, Taniguchi, Kunikida…). Wenn man nicht spoilern möchte, ist es schwierig hier allzu sehr ins Detail zugehen, aber auch Haruhi kriegt allerlei witzige Szenen, nur die “neue” Yuki zeigt sich eher von der dramatischen aber auch verdammt niedlichen Seite.

Technisch gesehen schwankt der Film zwischen gut (passend für einen Kinofilm) und einfach nur genial. Das Charakterdesign liegt irgendwo zwischen 2006 und 2009 und gefällt mir sehr gut. Der Computer wird für einige Kamerafahrten und Effekte offenkundig eingesetzt, aber das ganze sieht meiner Meinung nach harmonischer aus als z.B. in Evangelion 2.0. Man sieht halt, es wurde mit dem Computer gemacht, aber auch nur, weil es nicht anders gemacht sein kann. Die Animationen sind noch etwas detaillierter als in der TV Serie und vor allem in den Klassenszenen fällt auf, dass man auch die Hintergrundfiguren lebhafter erscheinen als in vielen anderen Werken. Mir ist keine Szene aufgefallen, die schwach animiert war oder wo man sieht, dass man Geld sparen wollte. Klar, wie bei der TV-Serie brauchen viele Szenen nicht viel Geld kosten, da das Franchise sehr dialogintensiv ist und wenig Action und Massenszenen beinhaltet, aber der Film bietet wirklich genug für’s Auge.

Für’s Ohr gab’s natürlich auch was, denn der Soundtrack ist herrlich dramatisch und ohne ihn würden manche Szenen weitaus weniger intensiv rüberkommen. Die Seiyuus machen ihre Sache auch wie gewohnt hervorragend und sind offensichtlich mit sehr viel Elan bei der Sache. Vor allem Aya Hirano (Haruhi) und Minori Chihara (Yuki) bringen ihre Charaktere wieder perfekt rüber und Tomokazu Sugita’s Kyon ist wieder durchgehend genial.

Groß meckern kann ich über den Film nicht, denn im Gegensatz zu Unlimited Blade Works funktioniert dieser Film auch wenn man die Vorlage nicht kennt. Wobei man aber bemerken muss, dass man die TV-Serie gesehen haben sollte, da man sonst vieles nicht verstehen kann. Ich würde sogar sagen, dass man die Bamboo Leaf Rhapsody und auch Endless Eight als Muss ansehen kann, um den Film einmal von der Handlung komplett verstehen zu können und zum anderen auch die emotionale Hintergründe besser nachvollziehen zu können. Die Ausbreitung auf 8 Folgen Endless Eight würde ich nun wirklich auch als Mitleidsbekundung zu Yuki verstehen…denn mit dem E8-Wissen wird einiges doch etwas klarer in dem Film. Auch das Wissen von Sigh hilft einem zumindest sich etwas besser in Kyon’s Zynismus reinversetzen zu können.

Ich kann nun wirklich verstehen, warum das Fandom Disappearance im allgemeinen oftmals so verehrt, denn hier ist alles drin, was Haruhi auszeichnet. Zwar wird der Film keinen Haruhi-Hasser bekehren können, aber als Fan kriegt man alles geboten, was man sich von dem Franchise wünschen kann. Und am Ende des Films hat man neue Seiten an den bekannten Charakteren entdeckt und auch Charakterentwicklung gesehen, die man zuvor zwar schon erahnen konnte, aber einem trotzdem Genugtuung bescheren^^. Der Film hat ja vor ein paar Tagen den Animation Kobe Award als bester Kinofilm gewonnen und ich denke, vollkommen zurecht! Zwar kann es sein, dass man beim mehrmaligen Anschauen Schwächen entdeckt, aber ich habe auch bislang nur wenige Filme gesehen, wo ich so gebannt mit so viel Zufriedenheit auf eine Leinwand gestarrt habe und jede Sekunde einfach nur genossen habe.

Nun würde ich gerne meine Lieblingsszenen aufzählen, aber das würde zu sehr spoilern, vielleicht nachdem die Blu-ray zumindest in Japan draußen ist, werde ich noch mal mehr ins Detail gehen^^.

Mein Dank geht natürlich nach Schottland, dass man dieses Film nach Europa geholt und es ermöglicht hat, ihn mit einer großen Menge an Haruhi-Fans zu genießen, und vom Gefühl her war der Applaus am Ende länger als bei den anderen Filmen, die wir gesehen haben, was auch kein schlechtes Zeichen sein kann.

Ich kann an aller nur appellieren, wünscht Euch die 2009er-Episoden von Kazé, damit der Film auch kommen kann. Er ist es wert und es wäre ein großer Verlust, wenn dieses Werk in Deutschland nicht erscheinen sollte.