Bevor ein Artikel zu der Your Name.-Heimkinoveröffentlichung erscheinen kann, muss ich natürlich erstmal dem großen Kyoani-Film des letzten Jahres hier noch mal etwas Platz einräumen. 😉

Zum Film

Bei der Handlungszusammenfassung bediene ich mich mal kurz bei Kazé, die den Film ja hierzulande veröffentlichen werden (auch kurz im Kino):

Shoya Ishida ist ein ganz normaler, gelangweilter Junge. Als eines Tages die gehörlose Shoko Nishimiya neu in die Klasse kommt, stellt das den Schulalltag vor einige Herausforderungen. Shoya beginnt, das introvertierte Mädchen zu hänseln und schreckt auch nicht davor zurück, seine Klassenkameraden gegen sie aufzustacheln. Als Shoko schließlich so weit getrieben wird, die Schule zu verlassen, wird Shoya als Hauptverantwortlicher ins Büro des Direktors gerufen. Der Spieß dreht sich um und von nun an wird Shoya von allen gemieden. Ein paar Jahre später kann der inzwischen von Reue geplagte Shoya die Geschehnisse nicht vergessen und möchte Shoko finden, um sich bei ihr zu entschuldigen …

Der Witz ist nun, dass ich den Film von der Blu-ray nun noch gar nicht noch einmal gesehen habe, denn CupcakeStar und ich schauten ein paar Tage, nachdem die Blu-ray hier ankam, beim Nippon Connection – Japanisches Filmfestival 2017 vorbei, wo wir uns den Film dann bei seiner Deutschlandpremiere gegönnt haben. Zuvor sahen wir ihn auch schon bei Scotland Loves Anime und ich schrieb damals sogar einen ziemlich spoilerfreien Artikel mit meinen Eindrücken zu u.a. diesem Film. Deswegen gehe ich hier nun etwas mehr ins Detail ohne die Absicht einen kompletten Review zu verfassen. Wer also möglichst wenig über die Handlung erfahren möchte, dem empfehle ich den anderen Artikel und hier einfach bis zur “Verpackung” nach unten zu scrollen, wenn man noch etwas zu der japanischen Veröffentlichung erfahren möchte.

Beim zweiten Mal steigerte sich meine Meinung zum Film sogar noch etwas, da ich nicht mehr im Kopf so viel überlegte, was denn eigentlich alles im Manga an dem Punkt der Geschichte gekommen wäre. So konnte ich den Film etwas alleinstehender betrachten, wobei ich natürlich das Vorwissen nicht ganz verdrängen konnte und mir gerade Charakterisierungen der Nebencharaktere immer noch etwas zu oberflächlich vorkommen. Auch spürte ich wieder einen kleinen Sprung inhaltlich, den ich nicht ganz gelungen fand. Ich unterhielt mich danach aber auch noch mit Leuten, die den Manga nicht kannten, und denen fiel das gar nicht so stark auf. Ich kann übrigens nicht so leicht nachvollziehen, wie man die Vorlage inhaltlich besser finden kann, denn der Film macht auf mich einen runderen Eindruck, bei dem “das Thema” mit weniger Umwegen durchgezogen wurde. Der Manga hat teilweise recht unnötige Nebenstränge in der Handlung und gerade den romantische Aspekt finde ich dort weniger zufriedenstellend als hier (über sieben Bände erwarte ich dann einfach mehr 😉 ). Im Film liegt der Fokus nämlich noch stärker auf Shōya und seiner Entwicklung und daher empfinde ich ein zwingendes “romantisches” Ende als weniger wichtig als im Manga. Allerdings müsste ich für einen richtigen Vergleich den Manga noch einmal komplett lesen, damit ich da auch mit einer anderen Erwartungshaltung rangehen kann.

Gerade dass es hier wie im Manga nur am Anfang um das Mobbing selbst geht und im Rest des Films um die Konsequenzen auf das Selbstbildnis und das Selbstbewusstsein, finde ich, ist die wirkliche Stärke der Geschichte. Zudem überzeugen die Charaktere mit einem für Animeverhältnisse ziemlich realistischen Verhalten. Hier verhalten sich auch nette Charaktere mal falsch, wobei es in den Situationen durchaus auch verständlich ist. Zudem werden ernste Themen wie Selbstmordversuche mit all ihren Konsequenzen auf die Mitmenschen behandelt, es wirkt aber niemals so, als ist das Drama hier nur da, um einfach Reaktionen bei den Zuschauern zu erzeugen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch humorvolle Szenen, ein paar Romantic-Comedy-Elemente und herzerwärmende Charaktere, die sich aber alle sehr gut in das Gesamtbild einfügen. Sogar die erwachsenen Charaktere sind hier sehr gut ausgearbeitet. Auch das Ende finde ich einfach nur bewegend und stellt mich zufrieden.

Mir gefällt der Film also sehr gut, wobei ich mir vielleicht die ein oder andere weitere kleine Szene gewünscht hätte, um gerade den Nebencharakteren etwas mehr Raum und Entwicklung zu geben, aber es war sicherlich kein leichtes Unterfangen sieben Bände in einen Kinofilm zu packen. Man bemerkt schon, dass der Film von seiner Struktur her weniger ein klassischer Film ist und natürlich viele Handlungsteile regelrecht abklappern muss, aber das Ergebnis ist trotzdem erstaunlich rund und funktioniert meiner Meinung nach deutlich besser als viele andere Mangaadaptionen in Filmform. Ich glaube auch gar nicht, dass eine TV-Serie hier besser funktioniert hätte, denn dann wären wieder andere Schwächen des Mangas aufgefallen.

Optisch kann der Film natürlich sehr überzeugen, aber ich bin immer noch überrascht, wie detailliert gerade Shōkos Körpersprache und Mimik gezeichnet sind. Hier wird einfach auf viele Details Wert gelegt, die die Charaktere menschlicher werden lässt und alleine schon die Art zu Gehen unterscheidet sich von Charakter zu Charakter. Die Hintergründe sind auch wieder schön anzusehen, wobei hier auch viel mit Farbfiltern und Verfremdungen gearbeitet wird, um sich etwas Realfilmen anzunähern. Dadurch wirkt der Film etwas weniger “sauber” als manch anderer digitaler Anime, aber Naoko Yamada hat hier schon die richtigen Entscheidungen getroffen. Der Film überzeugt mit wunderbarem visuellen Geschichtenerzählen und man kann sehr gespannt sein, wie die Regisseurin sich in Zukunft noch entwickeln wird. Auch der Soundtrack passt gut, klingt teilweise etwas minimalistischer und experimenteller, unterstützt die Handlung aber sehr schön. Die Seiyuus liefern hier wieder eine tolle Arbeit und gerade Saori Hayami möchte ich hier lobend erwähnen, die Shōkos wenige Zeilen sehr überzeugend spricht.

Umsetzung und Inhalt können also überzeugen und ich bin froh, dass ein Film mit einem doch etwas sperrigem Thema in Japan große Erfolge feiern konnte und ich bin gespannt, wie er in Deutschland ankommen wird.

Die Verpackung

Das Cover zeigt deutlich, dass es in dem Film hauptsächlich um Shōya geht und die Verbindung mit den ausbreitenden Wellen finde ich sehr passend.

Außen wird ein stabiler Plastikschuber verwendet, auf dem die Illustration gedruckt ist.

Auf der Rückseite wird wieder das “Wellenmotiv” verwendet.

Die “Pappverpackung” ist hochwertig und stabil.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie schlicht man Cover in Japan machen kann. Vermutlich haben diese Filme dort einfach genügend Bekanntheit, dass sie keine plakative Illustration mehr unbedingt bieten müssen.

Innen gibt es dann eine schöne, neue Illustration mit Shōya und Shōko und eine Halterung für die beiden Blu-rays.

Physikalische Extras

Ein dickes, sechzigseitiges Booklet liegt bei, das eine Einleitung, Charakterdesigns, Promozeichnungen, eine Beschreibung zu der “inner silence” Audiospur und Storyboards zu den beiden für die Heimkinoveröffentlichung neu erstellten Musikvideos enthält.

Das Büchlein ist gut verarbeitet und besteht aus stabilem, mattem Papier.

Menü

Nach dem Einlegen der Blu-ray startet der Film automatisch, aber natürlich gibt es auch ein Menü. Dieses ist mit einer aufwendigen Hintergrundanimationund Musik ausgestattet und wirkt hochwertig. Für meinen Geschmack ist nur diese weiße Überlagerung etwas zu prominent. Bei der Bonus-Blu-ray hält man sich hier übrigens etwas mehr zurück.

Natürlich kann man Kapitel direkt ansteuern.

Das Pop-up-Menü hält sich auch an dieses Design.

Bild und Ton

Ziemlich ungewöhnlich für Anime fand ich die schmalen Streifen oben und unten, vielleicht wollte man durch dieses Format noch filmmäßiger wirken. Ansonsten ist das Bild etwas entsättigt, was vermutlich auch ein Stilmittel sein soll und gut zur Atmosphäre passt. Zudem hat man offenbar versucht, die Optik von Filmkameras zu simulieren. Das heißt, es wird viel mit Schärfeebenen gearbeitet und oft ist nur der Bildmittelpunkt sehr scharf, während es zum Rand hin etwas unschärfer wird. Die vielen optischen Effekte, die z.B. Lichteinfall simulieren, machen das Bild auch etwas weniger “knackig”, als dies bei manch anderer Serie oder Film der Fall ist. Zudem ist auch ein digitales Rauschen oftmals leicht sichtbar. Da dies alles aber natürlich so sein soll, stellt sich hier nun nur die Frage, wie gut die Blu-ray diese Optik auf den Bildschirm zaubert und hier fand ich das Ergebnis teilweise etwas durchwachsen.

Das Bild kann durchaus überzeugen, aber die Kompression war teilweise wohl etwas überfordert. Zum einen ist Rauschen immer eine Herausforderung und auch hier konnte ich eine leichte Flächenbildung in manch Szene feststellen, was zu einem etwas unruhigeren Bild führt. Auch manch Verlauf kam mir etwas stufiger vor, als er sein müsste, meinem Gefühl nach, z.B. in diesem Lichteffekt:

Oder auch hier am Himmel:

Je nach Monitor kann man hier aber auch unterschiedliche Ergebnisse haben.

Wenn man sich die Bitrate von 26911 kbps anschaut, kann man schon ahnen, dass manch Szene darunter etwas leiden könnte. Das Ergebnis ist keinesfalls schlecht, aber ich denke, man hätte mit einer höheren Bitrate mehr erreichen können, auch wenn diese Art der Verläufe auf Blu-rays immer schwierig umzusetzen sind. Man nutzt den Speicher auf der Scheibe zwar gut aus, aber man hätte einfach anstatt PCM für die beiden 5.1-Spuren auch DTS-Master-Audio nehmen können, um mehr Kapazität für das Bild zu bekommen, ohne das die Qualität darunter leidet. Je nach Einstellungen im TV sieht man diese kleinen Macken zwar nicht immer, aber ich finde es trotzdem schade, dass man hier nicht mehr Sorgfalt hat walten lassen. Auf unserem TV war in der Szene oben der stufige Verlauf im Verlauf im Himmel ziemlich auffällig. Im Standard-Bildmodus stachen sie aber mehr ins Auge als im Cinema-Home-Modus.

Da ich den Film nicht komplett von der Blu-ray bislang gesehen habe, kann ich hier nicht als zu viel sagen. Aber bei einem Film dieser Art wird über die 5.1-Spur eher Atmosphäre über die Umgebungsgeräusche aufgebaut und in den von mir geprüften Szenen, wirkte dies auch so. Alle Spuren liegen verlustfrei komprimiert vor.

Neben dem besagten 5.1-Mix gibt es auch noch eine Stereovariante und eine Fassung für Kopfhörer im DTS:Headphone:X-Format (ein Test”programm” lässt sich hier auch finden). Als Extra hat zudem eine Musikspur namens “inner silence” den Weg auf die Blu-ray gefunden, welche den Film ohne Dialoge und Soundeffekte mit Stücken des Soundtracks u.a. aus der Konzeptphase untermalt.

Leider gibt es nur japanische Untertitel. Ich denke gerade, bei einem Kinofilm könnte man doch ein paar mehr internationale Fans erreichen, wenn man wie z.B. bei Your Name. auch englische Untertitel für den Film bieten würde.

On-Disc-Extras

Auf der ersten Blu-ray befinden sich nur relativ wenige Extras. Zum einen findet man hier einen Audiokommentar, der nacheinander verschiedene “Gruppen” an Leuten an das Mikrofon lässt, um den Film zu kommentieren:

  • Naoko Yamada (Director) × Tsushi Nishiya (Charakterdesign) × Nao Ishida (Color Design) × Kazuya Takao (Director of Photography)
  • Saori Hayami (Shōko Nishimiya) × Aoi Yūki (Yuzuru Nishimiya) × Naoko Yamada (Director)
  • Naoko Yamada (Director) × Ken Susuke Ushio (Music) × Yota Tsuruoka (Sound Director) × Yasushi Nagura (Recording)

Zum anderen gibt es noch etwas Promomaterial in Form des Teasers (0:31) und eines Trailers (1:01).

Die zweite Blu-ray bietet auch wieder ein hübsches und übersichtliches Menü. Auch wenn in den Einstellungen japanische Untertitel gelistet werden, haben nur wenige der Videos welche:

  • eine Art Musikvideo (3:53, mit jap. Untertiteln) zu “Koi wo Shita no wa” mit Fokus auf Shōya/Shōko

  • Ein weiteres Musikvideo namens “speed of youth” (1:58, mit jap. Untertiteln), bei dem hier der Fokus auf Shōya und seine Freunde gelegt wird. Hierbei werden Szenen aus dem Film verwendet, an die die Regisseurin Naoko Yamada beim Hören der Lieder dachte, während sie am Storyboard gearbeitet hatte, und zusätzliche neue Szenen, bei denen sie selbst das Storyboard machte bzw. dort Regie führte. Die beiden Videos sind ganz hübsch gemacht.

  • A Silent Voice: The Movie Preview Memorial Sendung (lange Version) (33:21): Eine TV-Sendung, die auf den Manga eingeht, Interviews mit Beteiligten am Film zeigt, etwas Making of bietet und z.B. auch Hajime Isayama (Mangaka von Attack on Titan) zu Wort kommen lässt.

  • Interviews: Naoko Yamada (Regisseurin) (7:42), Futoshi Nishiya (Charakterdesigner) (3:34), Mutsuo Shinohara (Art Director) (2:23), Kensuke Ushio (Komponist) (4:46): Es handelt sich hierbei teilweise wohl um längere Versionen aus der TV-Sendung.

  • Auswahl an “Referenzumgebungen”: “Wie Shoya seine Umgebung sah” (2:24): Dies ist ein kurzes Video, das die Szenen aus dem Anime mit den Orten aus der Realität vergleicht, die als Vorlage gedient haben.

  • Material vom Stage Greeting (27:21)

  • langes PV (2:33, mit jap. Untertiteln)

  • TV-Werbespots (2×15 Sekunden, 2×30 Sekunden, mit jap. Untertiteln)

Dies Extras sind schön umfangreich und ich hoffe, dass wir vor allem die “A Silent Voice: The Movie Preview Memorial” Sendung bei einer westlichen Veröffentlichung mit Untertiteln zu sehen bekommen.

Spezifikationen

Länge: 2:10:03.796
Gesamte Disk: 48.183.729.294 bytes

Japanischer Titel: 映画『聲の形』 [初回限定版] / Koe no Katachi

Bild:

MPEG-4 AVC Video 26911 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1

Ton:

DTS-HD Master Audio Japanese 1562 kbps 2.0 / 48 kHz / 1562 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 256 kbps / 24-bit) (Stereo-Mix)
LPCM Audio Japanese 6912 kbps 5.1 / 48 kHz / 6912 kbps / 24-bit (5.1-Mix)
DTS-HD Master Audio Japanese 835 kbps 2.0 / 48 kHz / 835 kbps / 16-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 256 kbps / 16-bit) (DTS Headphone:X-Spur)
LPCM Audio Japanese 6912 kbps 5.1 / 48 kHz / 6912 kbps / 24-bit (inner silence)
DTS-HD Master Audio Japanese 875 kbps 2.0 / 48 kHz / 875 kbps / 16-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 256 kbps / 16-bit) (Audiokommentar)

Untertitel:
Japanisch

Ländercode:
A, B, C

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